Wein muss man trinken und genießen! Oder doch darüber reden?

Ja, wir müssen über Wein reden, um beschreiben zu können, welcher Rebensaft einem zu welchem Gericht am besten schmeckt. Das vereinfacht ungemein das Lesen und richtige Interpretieren der Weinkarte in Restaurants. Um diese Fähigkeit zu erlangen, müsst Ihr ein paar Dinge über Wein wissen und mit diesem Wissen viele Weine verkosten. Dann werdet Ihr nach einer gewissen „Trainingsphase“ wissen, wie Eure Weinfavoriten gegenüber dem Kellner oder Eurem Weinhändler möglichst genau zu bezeichnen sind.

Ich habe diverse Seminare zu den Themen Weinanbau, Weingebiete und Weinaromen besucht. Es war immer sehr interessant, aber mit dem in diesem Bereich üblichen Vokabular konnte ich mich nie anfreunden. Insofern hat mir die Beschreibung des Profi Sommeliers nicht wirklich geholfen, den auf der Zunge befindlichen Geschmack in der Weinbeschreibung wiederzufinden. Oder könnt Ihr Euch unter folgendem Statement zu einem Pinot Grigio etwas vorstellen??

Goldgelb, feine, frische und elegante Noten von Birne und Heu, getoastetem Brot mit zerlassener Butter, würzige Noten von Tabak, Vanille und Weihrauch. Im Geschmack voll und reichhaltig, rund und dicht, mit alpiner Frische, guter Saftigkeit, mineralisch, lang anhaltender und charaktervoller Abgang.

Dieses Beispiel ist noch verhältnismäßig harmlos. Allerdings ist man am Ende aufgrund der Fülle von Begriffen geneigt, nochmal von vorne mit dem Lesen zu beginnen! Mir haben so manche Weinakademikerausdrücke ein Grinsen in mein Gesicht gezaubert (innerlich eher ein lautes Lachen). Versteht mich nicht falsch, ich bewundere die Fähigkeit von Weinakademikern und Sommeliers. Das einzige Problem ist aus meiner Sicht, dass ihr Vokabular nicht über die Zunge zu meinem Gehirn findet.

Insofern bemühe ich mich, bei meinen Weinbeschreibungen doch sehr verständlich auf den summarischen Punkt zu kommen. Es fallen also eher Bezeichnungen wie fruchtig, spritzig, samtig, komplex, säurearm, tanninreich usw. Ich erwähne ggf. auch gute Kombinationen zum Essen. Eine einfache Grundregel lautet diesbezüglich: Wein und Essen müssen sich ergänzen. Weder passt ein extrem würzig scharfes Essen zu einem leichten, jungen Weißwein noch passt ein extrem körperreicher und schwerer Rotwein zu einem leicht mediterranen Pastagericht. Das jeweils schwächere Glied in der Kombination geht sang- und klanglos unter. Meine Angaben helfen Euch dann hoffentlich, herauszufinden, welcher Wein von Euch dann das subjektive Prädikat „lecker“ bekommt und in Euren Weinkeller Einzug hält. Nur darauf kommt es letztlich an.

Wo kauft man am besten Wein?

Bezüglich der Einkaufsquellen werdet Ihr oft Jacques Weindepot von mir hören. Warum? Ich bekomme für die nicht beauftragte Werbung weder Geld noch Naturalien. Bei diesem Weinhandel könnt Ihr bei guter Beratung die normalen Weine (keine teuren Reservas etc.) vor der Kaufentscheidung probieren was aus meiner Sicht ein ganz großer Vorteil ist. Ihr bekommt dort Weine aus vielen Weinbauregionen. Auch die Preise sind sehr zivil. Eine gute Flasche Wein kostet hier zwischen 6,-€ und 14,-€. Wenn ich in bekannten Weinbauregionen wie z.B. der Pfalz unterwegs bin, dann kaufe ich auch gerne bei Winzern direkt. Auf diese Weise bekommt man auch noch einen Einblick in das Weingut, die Philosophie des Winzers und kann interessante Zusatzinformationen bekommen.

Von billigen Weinen im Discounterregal oder Schnäppchenangeboten per Zeitungsinserat möchte ich Euch dringend abraten. Es ist definitiv nicht möglich, einen ehrlich produzierten und gut schmeckenden Wein für 1,99 € anzubieten. Wenn Ihr hiervon die Kosten für Flasche, Korken, Karton, Lager, Transport und Vertrieb abzieht, dann bleibt weniger als nichts für den Winzer übrig. Und was erwartet Euch dann erst in der Flasche?! Insofern vermeidet den Frust, so einen Wein zu trinken sondern probiert bei Winzern und/oder Weinhändlern diverse Weine und findet Eure Favoriten.

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