Neuer Wein, auch Federweißer genannt, kommt wie alles in diesem Jahr etwas früher in unsere Gläser als gewohnt. Da hilft es nicht, sich noch an den letzten Sommertagen zu sonnen, sondern das Zwiebelkuchenrezept herauszusuchen und Federweißen zu kaufen.

Vielerorts findet man in den Supermärkten aber auch in Weinhandlungen in NRW Ankündigungen, dass Federweißer verkauft wird (Bild 1). Liebe Weinfreunde, glaubt nicht was Euch die Schilder und Etiketten glauben machen wollen. Ihr kauft hier nicht den typischen Neuen Wein vom Winzer sondern süßen, gepanschten, gefilterten Trauben-/Fruchtsaft! Den wahren Federweißen gibt es nur relativ kurze Zeit (während der Weinlese) bei den Winzern in den Weinanbaugebieten.

Wie Ihr in den nächsten beiden Bildern sehen könnt, unterscheiden sich der Möchtegern-Federweiße vom Original schon optisch in der Flasche und noch deutlicher im Glas. Beide sind süß – der Supermarkt Wein schmeckt nach Traubenlimo mit etwas mehr Kohlensäure. Der Pfälzer Federweiße ist deutlich milchiger. Diese Farbe bekommt er durch die Hefe, die bei der Vergärung des Mostes aufgewirbelt wird. Je nach Umgebungstemperatur schreitet der Gärprozess langsamer (z.B. im Kühlschrank) oder schneller (Raumtemperatur) voran. Immer mehr Zucker wird in Alkohol umgewandelt. Zu Beginn dieses Vorgangs schmeckt der Most nach süßem Traubensaft, und eine Woche später bei Raumtemperatur hat der Federweiße bereits einige Umdrehungen und einen deutlich schmeckbaren Alkoholgehalt. Es ist individuelle Geschmackssache wie man ihn am liebsten verkostet. Tipp: süß/jung kaufen und dann selbst den Gärprozess bis zum individuellen Geschmacksoptimum überwachen. Vorsicht: die Flasche bzw. der Kanister dürfen nie komplett verschlossen sein damit die Gase entweichen können. Der Neue Wein hat auch durchaus verdauungsfördernde Wirkung. Daher sollte man ihn nicht im Übermaß trinken 😉

Es ist einfach so, dass der Federweiße in den Supermärkten gefiltert und mit Fruchtsaft verschnitten länger haltbar ist und vielleicht etwas appetitlicher aussieht. Wie Ihr an der Beschreibung des Inhaltes erkennen könnt, wissen die Erzeuger wie Neuer Wein aussieht – in der Flasche ist aber alles anders ;-). Hinzu kommt, dass angeblich vom Rhein stammender Traubenmost in Thüringen abgefüllt wird. Geschmacklich ist der Flascheninhalt eine große Enttäuschung wenn Ihr das Original kennt. Daher werde ich auch weiterhin zur Weinlese in die Pfalz oder nach Baden fahren, um den guten Stoff zum Zwiebelkuchen frisch nach NRW zu importieren. Eine gute Adresse für Federweißen in der Pfalz ist z.B. das Weingut Anselmann.

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