„Fleisch ist mein liebstes Gemüse!“ Es ist zwar nicht ganz so extrem, aber ich esse Fleisch schon immer sehr gerne und habe mich bis heute nicht zum Vegetarier bzw. Veganer bekehren lassen. Aufgrund eines Besuches der „Perfect Meat Academy“ in Frank Petzchens Kochschule (Düsseldorf) wurde ich allerdings wieder angeregt, neben dem Geschmack auch über das Thema Tierhaltung, Fleischqualität und Fleischkonsum nachzudenken.

Wir alle haben vermutlich schon Fleisch in den verschiedensten Geschäften gekauft. Sowohl beim Discounter, im gut sortierten Supermarkt, beim Bio Bauern oder beim Metzger des Vertrauens. Über die Discounter möchte ich nur wenige Worte verlieren. Egal was auf den Verpackungen steht, dort kauft man minderwertiges Fleisch. Weichmacher, mit Wasser aufgespritzt, in ekelerregender Marinade – alles für 1,99 €. Ganz zu schweigen von der Tierhaltung, die hinter diesen Preisen stattfindet. Es ist wie beim Wein, der für 2,49 € die Flasche unmöglich eine handwerkliche und geschmackliche Glanzleistung enthalten kann. Die schlechten Lagen werden mit Erntemaschinen geschreddert und lieblos zu einer alkoholhaltigen Plörre verarbeitet. Wenn man von den 2,49 € noch die Kosten für Flasche, Korken, Lagerung, Vertrieb und Transport abzieht – was kann dann noch an Werten in der Flasche sein??

Im Gegensatz dazu bezahlt man für das Kilo Rinderfilet an der Metzgertheke 50 € bis 80 € pro Kilo. Da treten zwar erste Schweißperlen beim Zahlen auf die Stirn, aber ein- bis zweimal im Jahr kann man es sich ja mal gutgehen lassen. Wenn man allerdings davon ausgeht, dass man dann qualitativ und ethisch bestes Fleisch einkauft, dann liegt man immer noch falsch (außer man kennt den Bauern und weiß Gegenteiliges).

Gutes Fleisch von „glücklichen“ Tieren ist sehr teuer

Wenn wir uns die Frage nach Qualität UND Tierhaltung stellen, dann kommen wir auch preislich in Regionen, die zumindest bei mir für Schwindelgefühle sorgen. Ich bin kein Anhänger von Massentierhaltung und Billigfleisch, aber wenn ich sehe, dass 400 gr Rib Eye Steak aus der argentinischen Zucht von Dieter Meier (früher: Band Yello)  31,60 € kostet, dann sehe ich jegliche Fleischgenüsse für mein Haushaltsbudget schwinden. Ihr habt richtig gelesen! 31,60 € für 400 gr Ribeye Steak. Für diesen Preis kauft man dann allerdings auch die Sicherheit ein, dass die Tiere absolut artgerecht aufgezogen werden und frei auf 70.000 Hektar Weideland leben dürfen. Insofern ist doch klar, dass solche Rinder glücklicher leben und dadurch auch viel besseres Fleisch produzieren als eingepferchte Stallrinder, die nie das Tageslicht sehen.

Der oben genannte Preis ist allerdings noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Ein japanisches Ozaki Filetmedaillon liegt bei 599,-€ pro Kilo!!! O.k., das ist extrem aber auch bei anderen Rassen und Herkunftsländern sind Kilopreise für Rindfleisch von 80,- € bis 200,- € die Regel. Noch höher liegen die Preise für Wagyu Beef, das Kenner wegen seiner Fettstruktur schätzen. Wer es nicht glaubt, der kann gerne mit großen Augen im Katalog des Premium Fleischlieferanten Otto Gourmet nachschlagen. Hier wird bestes Fleisch mit perfekter Reifezeit aus ethisch bestmöglicher Tierhaltung zu wirklich horrenden aber vermutlich auch gerechtfertigten Preisen angeboten.

Mit diesem Wissen stehen wir vor einem großen Dilemma. Vegetarier/Veganer werden? Die oben ausgeführten Preise zahlen? Beides ist keine Option für mich. Vermutlich läuft es auf einen Mittelweg hinaus. Weniger Fleischkonsum und wenn, dann Bio Fleisch vom guten Metzger, der auch etwas über die Herkunft der Tiere sagen kann. Interessant erscheint mir auch der Gedanke des „Crowdbutching“. Hier kauft man zu mehreren eine ganze Kuh, die erst nach dem kompletten Verkauf geschlachtet wird. Dann reift das Beef 14 Tage, und jeder Käufer erhält dann seine Kühlbox mit den verschiedenen Fleischarten (Filet, Entrecote, Hackfleisch, Würste, Burger Patties usw.). Ich werde beispielhaft mal ein Mini Bio Paket bei kaufnekuh.de bestellen und dann berichten.

Ein tröstender Aspekt: In der Querverkostung bei unserem Kochkurs hat mir das teuerste Fleisch (US Wagyu Beef) nicht am besten geschmeckt.

Wie würdet Ihr Euch vor dem Hintergrund dieser Gedanken entscheiden?